Das Tempelherrenhaus Weimar

Das Tempelherrenhaus im Ilmpark Weimar ist ein extravagantes Zeugnis der Garten- und Orangeriekultur in Weimar. Es steht wie kein anderes Gebäude für die spannende Entwicklung einer neuzeitlichen Gartenkultur von den frühen „welschen Baumgärten“ bis zur gesellschaftlichen Teekultur Weimars im „silbernem Zeitalter“. Es spannt den Bogen von der Geisteswelt der humanistischen Pomeranzenkultur bis zum ästhetischen Verständnis des Landschaftsparks zur Zeit Goethes.

Zitrusfrüchte sind als begehrte Gewürzspeise der Hoftafel zu Weimar relativ früh nachgewiesen. Sie werden bereits 1505 anlässlich eines kurfürstlichen Hoflagers erwähnt. Ihr Bezug wurde durch einen damals bereits regen Handel sichergestellt. Seit 1559 ist auch die Lieferung von Pomeranzenbäumen nach Weimar belegt. Mit dem 1562-1565 für Herzog Johann Wilhelm entstandenen Gartenschloss, dem sog. „Neuen Bau“ (heute Gebäude der Herzogin Anna Amalia Bibliothek), in Verbindung mit einem „welschen Garten“ wird Weimar zu einem regelrechten Zentrum der Orangeriekultur in der Mitte Deutschlands. Der Garten war seit 1565 mit einem ansehnlichen Bestand an Pomeranzen-, Limonen und Zitronat-Bäumen sowie einem eigenen Pflanzenhaus für die Überwinterung bestückt. Leider verlor Weimar diesen Garten in der Mitte des 18. Jahrhunderts, an dessen Stelle ein Exerzierplatz, der heutige Platz vor dem Landschaftshaus, getreten ist.

Ein weiterer derartiger Garten, der „Neue Welsche Garten“ entstand 1612. Er lag ein Stück weiter südlich, auf der Geländeterrasse oberhalb der Ilmaue. Er ist heute mit seiner Osthälfte Bestandteil des Ilmparks, mit seiner Westhälfte eine Rasenfläche über einer Tiefgarage. Die historische Bezeichnung „welscher Garten“ rührt daher, dass er mit welschen Pflanzen, also Gewächsen aus Italien bestückt war. Für Weimar ist zudem überliefert, dass er von fachkundigen Gärtnern aus Italien, den sogenannten „welschen Gärtnern Orlanti und Julianj“ gepflegt wurde. Zunächst war er nur als Küchen- und Gemüsegarten für Herzogin Dorothea Maria vorgesehen, doch nach der sogenannten „Thüringischen Sintflut 1613“ erklärte man ihn zum „Großen Garten“ und baute ihn auch zum sogenannten „Lustgarten“ aus. Doch immer sollte dieser Garten die in Deutschland häufige, typische Kombination aus Nutz- und Ziergarten zeigen, bis er unter Herzog Carl August im Ilmpark aufging.

Als letzter Rest dieses neuen welschen Gartens ist uns heute einzig das sogenannte Tempelherrenhaus erhalten geblieben. Das von jeher flexibel genutzte Gartengebäude, im Sommer als Veranstaltungsort der Hofgesellschaft, im Winter als Überwinterungsquartier für Pflanzen, kann eine lange Geschichte der Wandlungen aufweisen: vom Pflanzenhaus zum Orangenhaus, dann zum Gewächshaus, zum Gothischen Salon des Herzogs, zum Park-Orangenhaus und schließlich zum Sommersalon und Teesalon der Erbgroßherzogin Maria Pawlowna. Jede der neuen Nutzungen veranlasste auch entsprechende zielführende Umbauten, nur die heutige Ruine ist ein nie gewollter Kriegsschaden.

Das Tempelherrenhaus entstand aus einem 1668-1670 errichteten Pflanzenhaus. Den Vorgängerbau hatte bereits Herzog Wilhelm IV. ab 1643 errichten lassen, der um die Wiederherstellung der Orangerie nach dem Dreißigjährigen Krieg bemüht war. Von 1714-1718 wurde das Tempelherrenhaus dann zum Orangenhaus erweitert. Dieses Pflanzenhaus lag an der Südgrenze des Gartens, so dass es als Point-de-Vue den stadtseitig vorgelagerten Ziergarten rückwärtig beschloss. Die durchfensterte Südfront war also zur Gartenmauer ausgerichtet. Im Stadtplan von Johann Adolf Richter, 1750, ist das Orangeriehaus als ein Rechteckpavillon mit seitlich angebauten Flügeln verzeichnet. Die Anlage zeigt nordseitig einen Mittelrisalit und Rücklagen im Verhältnis 3:5:3. Auch spätere Umbauvorschläge von 1781 nehmen wieder diese Grundform eines typischen barocken Gartengebäudes auf, werden jedoch alle nicht verwirklicht.

Erst 1785 kann Johann Friedrich Steiner im Auftrag von Herzog Carl August den Umbau zum sogenannten „Gothischen Salon“ bzw. zum „Tempelherrenhaus“ verwirklichen. Offenbar bricht er die beiden seitlichen Flügel des barocken Bauwerks ab und gestaltet den Mittelteil zu einem Sommersalon in neugotischen Architekturformen um. Dabei stand das „Gotische Haus“ in Wörlitz Pate. Die Südseite gliederten nun gotische Spitzbogenfenster, auf der Nordseite waren diese allerdings nur aufgemalt. An den Seiten befanden sich gläserne Eingangstüren. Im Mai 1788 wurden dann die vier hölzernen Statuen des Hofbildhauers Martin Gottlieb Klauer auf die Eckzinnen gesetzt. Es waren die Bildwerke von Rittern des Deutschen- oder Johanniter-Ordens, die dem Bauwerk den Namen Tempelherrenhaus einbrachten

1808 wurde der Bau dann wieder als „Parkorangenhaus“ reaktiviert. Von 1811 bis 1814 wurde er dafür zum Pflanzenhaus zurückgebaut. 1816 fasste Großherzog Carl August den Entschluss, ihm auf der Ostseite einen Turm mit Aussichtsplattform anzubauen. Goethe verfasste ihm hierzu als Berater den „Bericht an Serenissimum über den Turmbau an der gothischen Kapelle“. Der Turm wurde dann 1817/18 als Parkstaffage verwirklicht. Ab 1821 folgte wieder die Nutzung des Baues als herzoglicher Sommersalon, nun unter dem offiziellen Namen „Tempelherrenhaus“, der ihm bis heute geblieben ist. Bis zum Tod der Erbgroßherzogin Maria Pawlowna wurde er auch als sogenannter Teesalon genutzt.

Nach dem Tod Maria Pawlownas wurde die Anlage nur noch als Abstellmöglichkeit gesehen und vernachlässigt, bis sie 1944 durch einen Bombentreffer beschädigt wurde. Seither steht das Tempelherrenhaus verlassen im Ilmpark zu Weimar. Es gehört heute zum Denkmalbestand der Klassik Stiftung Weimar.

Das Ziel unserer Bürgerstiftung

Ziel unserer Bürgerstiftung ist die Wiederherstellung des Tempelherrenhauses im Sinne der Vorschläge Goethes, nämlich als Parkstaffage mit Denkmalcharakter. Als eventuelle Nutzung käme die Wiederaufnahme der älteren Funktionen in Frage, eben die Kombination aus Sommersalon und Pflanzenwinterung.

Die Klassik Stiftung Weimar hat zur Zeit die Entwicklung einer denkmalpflegerischen Zielstellung veranlasst. Unser Engagement als Bürgerstiftung zielt nun darauf, diese Initiative mittels finanzieller Förderung einer Musterachse zur Veranschaulichung der Restaurierungsaufgabe zu unterstützen. Gleichzeitig wollen wir die Maßnahme damit beschleunigen.

Daher unsere herzliche Bitte an Sie:

Unterstützen auch Sie uns mit einer Spende zugunsten des Tempelherrenhauses Weimar, damit dieses Denkmal der Zeit Goethes und Maria Pawlownas möglichst bald wieder nachvollziehbar wird und auf diese Weise auch zukünftigen Generationen erhalten bleiben kann.